Gendersprache an einer deutschen Schule: Eine Erfahrung

Von Alexander Michelsen | Jeder kennt wahrscheinlich diesen Moment, wenn man sich darüber schlau macht, was die politische Gegenseite mal wieder so verzapft und dabei auf seltsame Wortneuschöpfungen und Zungenverrenker stößt. Immer häufiger trifft man dabei auf die „gendergerechte Sprache“, ein Konzept, welches in allen erdenklichen Formen existiert, von denen aber keine so wirklich alltagstauglich oder sprachlich ästhetisch sind.

Auf die Idee einer „gegenderten“ Sprache kommt nämlich nicht der bärtige Bauer Bernhard aus Berghofen beim Güllespritzen sondern die frisch frisierte Frida aus Friedrichshain bei ihrem dritten Starbucks-Morgenkaffee. Sie ist also eine Idee, die aus einem puren Luxusproblem heraus entstanden ist.

Nun ist es aber so, dass ebendieses Konzept eine immer breitere Repräsentation in großen Medien und im staatlichen Kontext erfährt. Dies beobachten zu können, ist im Falle einer Schule, einem Ort, an dem die Jugend zu einem gewissen Teil geformt wird, nicht nur besorgniserregend, es ist alarmierend.

Auch ich habe so etwas an meiner Schule beobachten müssen, aber ich erzähle alles am besten von Anfang an: Bei mir an der Schule tritt das Gendern in Form des „Gendersternchens“ auf. Es wird also nicht mehr über „Schülerinnen und Schüler“ sondern „Schüler*innen“ geschrieben.

Zum ersten mal in Erscheinung getreten ist diese Schreibweise im Jahr 2019 bei einem meiner Lehrer, welchen ich bereits als links bezeichnen würde. Mit diesem Lehrer haben wir ein Filmprojekt über die Sinti und Roma in Deutschland gemacht. Bei der Planung des Films wurden Stichworte an eine Tafel geschrieben, welche mit dem Film zu tun haben sollten. Auf ihr stand auch das Wort „Schüler“, jedoch bestand eine Person von der Produktionsfirma, welche für den Film angeheuert wurde, darauf „Schüler*innen“ zu schreiben. Er hatte, soweit ich mich erinnere, nicht explizit den Stern gefordert, mein Lehrer hatte ihn aber als erste Option gewählt. Dies zog sich weiter bis zu einer Plakatwand über den Film, welche in unserer Pausenhalle ausgestellt wurde. Auf ihr wurde von „Schüler*innen“ und „Teilnehmer*innen“ gesprochen. Bis zu diesem Punkt hatte ich noch nichts dazu gesagt.

Ungefähr zu Beginn diesen Jahres führte die Schule nämlich den Genderstern für den internen Sprachgebrauch ein. Im Unterricht ist er natürlich noch keine Pflicht, aber alles, was die Lehrer an E-Mails beispielsweise versenden, muss geschlechtergerecht verfasst werden. Ab diesem Zeitpunkt hatten sich meine Befürchtungen, die ich seit dem ersten Genderstern hatte, haargenau verwirklicht.

Ich begann, die Schulleitung anzuschreiben und um ein Gespräch zu bitten, konnte jedoch aufgrund diverser Gegebenheiten erst in den Sommerferien ein Gespräch mit zwei Lehrerinnen darüber führen. Dieses Gespräch hat zwar zu keiner Änderung geführt, hat aber einige Erkenntnisse zutage bringen können. Der wohl interessanteste Teil des Gesprächs war der, in welchem eine der beiden Lehrerinnen dachte, mir die Geschichte des Feminismus vorkauen zu müssen. Die Frauen hätten sich jahrzehntelang ihre Rechte erkämpft und dies müsse sich auch in der Sprache wiederfinden. Ab diesem Zeitpunkt war mir bewusst, dass ich bei ihr ungefähr so weit kommen werde wie eine Schnecke in einer Salzmine. Ich bin nämlich nicht gegen Frauenrechte, ich bin dagegen, dass man den Feminismus zur neuen Staatsdoktrin erhebt vor allem im Kontext des heutigen Feminismus, dessen politische Ziele entweder seltsam, unbegründet oder sogar der Gleichberechtigung entgegenstehend sind.

Zudem bedient er sich bei der Durchsetzung dieser Ziele immer häufiger der moralischen Erpressung. Diese Botschaft kam jedoch nicht wirklich bei dieser Lehrerin an, da sie mit der Verbindung des Feminismus des 19. und 20. Jahrhunderts mit heutigen feministischen Bestrebungen in meinen Augen bereits versucht hat, eine Brücke der Unmoral in meinem Kopf zu errichten: Du bist gegen die Gendersprache. Die Gendersprache ist feministisch. Das bedeutet, du bist gegen Feminismus. Der Feminismus steht für Frauenrechte. Du bist also gegen Frauenrechte. Schäm dich.

Vielleicht interpretiere ich auch zu viel in solche Sätze hinein, aber so fühlte sich für mich ab diesem Zeitpunkt dieses Gespräch an. Als wäre ich ein unvernünftiger, nicht logisch denkender Mensch, den man zur Besinnung bringen müsste. Nach dem Gespräch wollte man mir eigentlich noch etwas zum Thema geschlechtergerechte Sprache per Mail zukommen lassen, was ich mir ja mal durchlesen könnte, habe aber nichts erhalten. Das Thema war für sie wohl beendet.

Nach den Sommerferien, genauer gesagt diesen September, hatte ich schließlich das Gespräch mit meiner Schulleiterin gesucht. Die Vorgängerin, unter welcher die Gendersprache in der Schule etabliert wurde, ging in den Sommerferien in Rente, weshalb ich also mit jemandem Sprach, dessen konkrete Position ich nicht genau kannte. Das Besondere hier dran war, dass ich die jetzige Schulleiterin auch als Lehrerin hatte und sie deshalb bereits im Vorhinein einschätzen konnte. Ich ging also mit einem besseren Gefühl in dieses Gespräch.

Zu meinem Glück war die Schulleiterin nicht so sehr darauf aus, mich in eine moralische Bredouille zu bringen. Sie hörte sich meine Meinung und Standpunkte an und zeigte auch Verständnis für diese. Sie war auch nicht das, was man einen „Hardcore-Feministen“ nennt sondern ein ganz normaler Mensch, welcher mit solchen Themen privat so gut wie gar nichts zu tun hat. Dadurch war die allgemeine Stimmung auch nicht so erdrückend, wie sie es beim ersten Gespräch war.

Bedauerlicherweise konnte auch dieses Gespräch keinen direkten Wandel herbeiführen. Die Schulleiterin ist zwar kein leidenschaftlicher Freund des Gendersterns, hält ihn aber trotzdem für die beste Methode, um die geschlechtergerechte Sprache umzusetzen. Der Genderstern wird deshalb immer noch sehr oft im Schriftverkehr der Schule eingesetzt, allerdings konnte ich beobachten, dass nach dem Gespräch mit meiner Schulleiterin zusätzlich zum Stern auch das Binnen-I und die Schrägstrich-Bindestrich-Kombination zum Einsatz gekommen sind. Das Binnen-I ist zwar auch nicht gerade berauschend, aber es zeigt, dass eine Veränderung wohl möglich zu sein scheint.

Allerdings ist dieser Zustand auch kein für mich zufriedenstellender, weshalb es mein nächster Schritt sein wird, diese Problematik stärker ins Bewusstsein der Leute zu rücken. Ich hoffe, dass ich so viele Menschen wie möglich erreichen und zum Nachdenken bringen kann, denn nur so kann man Sprachverhunzungen solcher Art entgegentreten. Es wird aber auch etwas an meiner Schule geschehen müssen, weil ebendort die Blüten des modernen Feminismus zu blühen beginnen und diese bereits jetzt einen nicht gerade schönen Geruch absondern.

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