Die zukünftige Parteispitze der Linken: Die Trotzige und die Trotzkistin

Von Marikka Wiemann | Nicht nur das Weihnachtsfest und die dazugehörigen Feierlichkeiten mussten in diesem Jahr coronabedingt anders stattfinden als geplant. Auch die Linken mussten sich den Maßnahmen beugen und ihren geplanten Parteitag schon zum zweiten Mal verschieben. Jetzt versucht man es ein drittes Mal, nämlich am 26./27. Februar 2021. Großes steht für diesen Termin auf dem Plan. Es soll eine neue Parteispitze gewählt werden, die Nachfolger von Katja Kipping und Bernd Riexinger. 

Und da es bei den Linken bekanntlich eine Vielfalt an Weltansichten und Meinungen gibt, hat man natürlich eine ebenso große Auswahl und Vielfalt innerhalb der Kandidaten. Immerhin ist das erklärte Ziel alle zu erreichen: die Antikapitalistische Linke, das Forum des demokratischen Sozialismus, die sozialistische Linke, die emanzipatorische Linke, das Netzwerk Reformlinke, die kommunistische Plattform und das Marxistische Forum.

Die Anführer des Spielzeugladens 

Wie bitte darf man sich das vorstellen? Als würde man mich im Spielzeuggeschäft vor die Wahl zwischen einem Dreirad mit Hupe, einem Dreirad ohne Hupe, einem Dreirad mit und ohne Stange oder einem Dreirad mit und ohne Pedale stellen. Was ich am Ende kaufe, ist immer noch das Dreirad, egal ob mit und ohne Hupe, ob mit und ohne Stange oder ob mit und ohne Pedale. Und eigentlich will ich auch gar kein Dreirad, sondern lieber ein Fahrrad… 

Aber verlassen wir den Spielzeugladen und schauen uns die zwei der vier Kandidat:innen (bei der Aussprache bitte die Schluckauf-Pause beachten) für den Parteivorsitz genauer an. Da hätten wir zum einen Susanne Henning-Wellsow aus Thüringen. Sie ist seit 2014 Fraktionsvorsitzende der Linken im Thüringer Landtag. Aber durch diese Position allein ist sie nicht bekanntgeworden. 

Sie ist, um die Tagesschau zu zitieren, „Berühmt dank eines Blumenstrausses“. Henning-Wellsow hatte dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich nach seiner Wahl zum Kurzzeit-Ministerpräsidenten von Thüringen einen Blumenstrauß vor die Füße geworfen, angeblich weil er Stimmen von der AfD erhalten hatte. Aber vielleicht hat ihre Reaktion gar nicht so viel mit der Tatsache zu tun, dass die AfD im Spiel war, vielleicht hat man sie einfach als Ausrede vors Loch geschoben. Denn die Linken schienen allesamt sehr überzeugt davon, dass Bodo Ramelow das Rennen macht und waren dementsprechend sauer als ihre Erwartungen enttäuscht wurden.

Ernstzunehmende Politikerin oder doch eher trotziges Kind?

Sie bezeichnete dieses Verhalten im Nachhinein als „impulsive Handlung“. „Impulsiv“ ist für so eine Kurzschlusshandlung noch milde ausgedrückt. Es sagt sehr viel über das Demokratieverständnis von Frau Henning-Wellsow aus, die es nicht ertragen konnte, dass ein Politiker Stimmen von den „Falschen“ bekommen hatte.
Bereut oder geschämt hat sie sich im Nachhinein auch nicht, sondern ihre Handlung in einem Interview, was sie auch auf ihrer Website veröffentlichte, als „Akt des zivilen Ungehorsams gegen den Faschismus innerhalb des Parlaments“ bezeichnet.

Mich erinnert diese Reaktion weniger an eine mutige Widerstandskämpfer, sondern eher an ein trotzigen Kind, was im Supermarkt von seiner Mama nicht die Schokolade gekauft bekommen hat, die es unbedingt haben wollte. Der großen Schwester der Linken, der SED, wäre ein solches Faux-Pax sicherlich nicht unterlaufen. Die hat sich den Stress mit den freien, geheimen und gleichen Wahlen gar nicht erst angetan.

Vom Verfassungsschutz beobachtet – wen interessiert‘s? 

Doch widmen wir uns der nächsten Kandidatin: der hessischen Fraktionsvorsitzenden der Linken Janine Wissler. Vor ihrer Kandidatur gehörte sie neben anderen Organisationen auch zum Netzwerk Marx21, das vom Verfassungsschutz beobachtet wird.
Spannend, wenn man sich ausmalt, was es für einen Shitstorm hageln würde , wenn bekannt würde, dass ein AfD-Mitglied Kontakte zu einer rechtsextremen Gruppierung hätte. Derjenige könnte nicht so leicht für die Parteispitze kandidieren…

Aber bei der Linken scheint es zu reichen, die Mitgliedschaft einfach zu beenden. Das Leben kann so einfach sein, in einem Land, das natürlich jede Form von Extremismus gleich verurteilt. Zudem hält Frau Wissler vom Verfassungsschutz ohnehin nicht viel und hat deswegen auch keine Distanzierung von der trotzkistischen Gruppierung nötig.

Die anderen beiden Kandidaten heißen im Übrigen Torsten Skott und Jette Buttgereit. Diese beiden Namen kann man aber vermutlich wieder vergessen, denn die Aufmerksamkeit der Medien und die Unterstützung des Landesvorstandes der LINKEN Berlin gilt den beiden erstgenannten Damen. Die Trotzige und die Trotzkistin – klingt ein bisschen nach einem sozialistischem Remake von Dick und Doof. 

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