Von einer Königin und ihrem Land, das erwacht – und weiter träumt

Manche waren arm geworden, weil sie nicht arbeiten und schaffen gedurft hatten; ihre Läden blieben leer, weil das Betreten nur mit einer Maske erlaubt war. Wirte trauerten vergangenen Zeiten nach, in denen ihre Schänken voller Zecher waren; aber an Sonnentagen wagten sich doch einige wenige Esser und Trinker ins Freie. Die Fabriken kamen nur langsam wieder in Fahrt. Aber viele fanden den Großen Schlaf gar nicht so schlecht, wollten weiter dämmern, weil sie der Lärm und die Abgase der Maschinen störten und überhaupt: wozu arbeiten? Denn ihre Königin hatte versprochen: Vertraut mir nur, von mir bekommt ihr alles, so, wie ihr es verdient habt. Tag und Nacht wurden frische Golddukaten geschlagen, der königliche Minister fuhr auf einem hohen Wagen durch die Städte und warf mit beiden Händen das Gold unter das Volk, das ihm zujubelte und dankbar die Münzen zwischen den Pferdeäpfeln herauspulte. So sollte alles wieder sein wie vor dem Großen Schlaf. Arbeit war abgeschafft, Mühe und Plage vorbei, nur langsam gewöhnten die Bürger sich wieder daran, selbst für sich zu sorgen. Wozu auch? Endlich sorgte doch die gute Königin für sie. Keiner sei ohne Einkommen, versprach der Gesandte der Königin.

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