So nicht, Herr Markus!

Georg Markus, der am Anfang seiner Laufbahn Mitarbeiter des unvergesslichen Karl Farkas am Kabarett Simpl war, befasst sich als Journalist vorwiegend mit österreichischer Zeitgeschichte. Bisweilen nimmt er sich auch anderer kulturhistorischer Themen an. Wie beispielsweise vor kurzem in seiner Kolumne „Geschichte mit Geschichten‟ in einer österreichischen Tageszeitung. In diesem ganzseitigen Artikel mit großen Bildern schildert Herr Markus das Schicksal der einstmals größten Kirche der Christenheit, der Kirche der Heiligen Weisheit (griechisch „Hagia Sophia‟) in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul.

Der Prachtbau aus dem sechsten Jahrhundert ist ein Hauptwerk der byzantinischen Baukunst, das die Türken sofort nach der Eroberung Konstantinopels 1453 zur Moschee umbauten, alle Kreuze durch Halbmonde ersetzten und vier Minarette anbauten.

Erst der aufgeschlossene Präsident Kemal Pascha, genannt Atatürk (d. h. Vater der Türken), der das Land nach dem Ersten Weltkrieg modernisierte und die lateinische Schrift für die türkische Sprache einführte, ließ die Hagia Sophia zu einem Museum umwandeln. Und jetzt, hundert Jahre nach dem epochalen Reformwerk Atatürks, bemüht sich Präsident Erdogan, der in westlichen Medien liebedienerisch immer mit allen Vornamen genannt wird, seit geraumer Zeit, alle Errungenschaften, die der weise Kemal Pascha einführte, rückgängig zu machen. Das Verschleierungsverbot missachtet seine Frau schon seit etlichen Jahren und jetzt will Erdogan die „Hagia Sophia‟ wieder zur Moschee machen.

In offenbar vorauseilendem Gehorsam schreibt Herr Markus in einem Absatz seiner „Geschichte mit Geschichten‟, dass „das Innere der Moschee ist mit Marmor… ausgestattet‟ ist. Der unbefangene bzw. historisch nicht so versierte Leser gewinnt dadurch den Eindruck, als wäre die „Hagia Sophia‟ schon wieder zur Moschee umgebaut. Das, sehr geehrter Herr Markus, ist ein schwerer Missgriff! Umso mehr, als wir in Europa und ganz besonders in Wien mehr als genug Unannehmlichkeiten mit gewalttätigen Türken haben, die ihren Bürgerkrieg mit den immer noch verfolgten Kurden auf den Straßen Wiens austragen. Ihre Leser hätten sich von Ihnen in dieser Hinsicht mehr Feingefühl von Ihnen erwartet!

[Autor: H.M. Bild: Wikimedia Commons/Karl Gruber Lizenz:  CC BY-SA 4.0]

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