Coronavirus-Ausbrüche entlang der „Balkanroute“

„Die Balkanroute gibt Anlass zu großer Sorge, da es sich um einen außer Kontrolle geratenen Menschenstrom handelt, bei dem viele jüngere von Covid Infizierte asymptomatisch sind, jedoch ein Risiko für weitere Infektionen darstellen.“ Das sagt Riccardo Riccardi, der stellvertretende Gouverneur der Region Friaul-Julisch Venetien, der zugleich für die Gesundheit zuständig ist, über die Zunahme der Ansteckungen durch Coronavirus Sars-CoV‑2, die derzeit auf dem Balkan beobachtet werden. Die zahlreichen Neuausbrüche lassen zugleich befürchten, dass die illegalen Migranten, die über die Balkanroute nach Italien und weiter nach Mitteleuropa kommen, die Krankheit weiter verbreiten.

Wie Riccardi in einer Pressemitteilung erklärte, wird die in Serbien, Bosnien und Kroatien festgestellte Zunahme der Coronavirus-Fälle zwar von den Gesundheitsorganisationen der einzelnen Staaten kontrolliert und überwacht, während dies bei illegalen Migranten auf ihren Marschwegen, in improvisierten Flüchtlingslagern und nach illegalen Grenzübertritten so gut wie unmöglich ist. „Was völlig fehlt“, betonte Riccardi, „ist die Überprüfung der Gesundheitsbedingungen von denjenigen, die illegal einreisen und nicht an den Grenzen von der Polizei abgefangen werden. Dies erfordert eine einheitliche europäische Politik, die diesem speziellen Problem [der illegalen Migration] mehr Aufmerksamkeit schenkt, weil unserer Erfahrung nach das Risiko bei der Verfolgung und Bewältigung von Ausbrüchen bisher kaum beachtet wurde.

Der Hintergrund: Mehr als 1000 illegale Migranten kamen nach der Aufhebung des „Lockdown“ bis zum 25. Juni nach Triest und Umgebung. Ungefähr sechstausend sind es seit Jahresbeginn. Und dabei ist nur die Rede von registrierten illegalen Migranten!

Gouverneur Massimiliano Fedriga sprach ebenfalls mehrfach zum Thema der illegalen Migranten und der Weiterverbreitung des Coronavirus durch sie. Er zeigte sich besorgt über die Virulenz des Virus und über das Risiko von „Rückkehr-Wellen“ ausgelöst durch „Fälle, die nicht ausschließlich positiv oder asymptomatisch sind.“

Friaul-Julisch Venetien fungiert hierbei als „Puffer“ bei der Verbreitung des Virus in der Grenzregion: „Jedes Land hat die Pflicht, das Virus einzudämmen und es nicht in andere Länder zu verbreiten. Ansonsten sollten wir meiner Meinung nach drastischere Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit unserer Bürger und der Wirtschaft ergreifen,“ so Fedriga.

„Wir fordern von anderen Ländern das gleiche Verantwortungsbewusstsein“, fuhr er fort, „und es ist nicht möglich, dass es Länder gibt, die sagen, dass alles in Ordnung ist, nur weil es ihre Tourismuswirtschaft so wünscht.“ [Anm.d.Red.: Anspielung auf Kroatien] Der Gouverneur berichtete dann über das Beispiel Deutschlands, das im Falle neuer Ausbrüche „ein begrenztes Gebiet schließt, dieses Gebiet kontrolliert und die positiv befundenen Menschen isoliert. Das sollten auch die Länder an der Balkanroute tun, in denen die Infektionen zugenommen haben, weil sonst das Risiko eines starken Rückflusses des Coronavirus besteht“.

Dies sollte man auch aus touristischer Sicht beherzigen, „da nach einer Expansion keine Urlauber mehr in diese Regionen fahren werde.“ Er hoffe daher, „dass endlich eine ernsthafte Reaktion auf die Zunahme von Infektionen stattfindet“.

 

Quelle: TriesteAllNews, VoxNews

Leserbriefe

Nachrichten, Kommentare, Leserbriefe - News im Minutentakt.